Als wir im August über Werbung in KI-Chats berichtet haben, war diese in Deutschland noch Zukunftsmusik. Seitdem hat sich viel getan: Wenige Tage nach unserem Beitrag „Werbung in KI-Chats: Zwischen Monetarisierung und Vertrauensfrage" hat OpenAI seine Anzeigen in ChatGPT auch hierzulande freigeschaltet. In diesem Update fassen wir zusammen, was sich seitdem verändert hat, warum gute Produktdaten ein Vorteil sind und was die Forschung über das Nutzerverhalten verrät.
ChatGPT Ads: Seit Ende August auch in Deutschland
Am 24. August hat OpenAI Werbung in 31 weiteren Märkten freigeschaltet, darunter Deutschland und Österreich. Anzeigen sehen nur Nutzer der Tarife Free und Go. Personalisierte Werbung ist im Europäischen Wirtschaftsraum und in der Schweiz zunächst deaktiviert.
Seit dem 31. August können Unternehmen Kampagnen in einer Beta-Version auch selbst buchen, abgerechnet wird pro Klick oder pro tausend Einblendungen. Für Klickkampagnen empfiehlt OpenAI zum Start ein Höchstgebot von 3 bis 5 US-Dollar pro Klick. Keywords gibt es dabei nicht: Das System wählt passende Gespräche etwa anhand von Gesprächskontext, Titel und Text der Anzeige und Landingpage aus. Für Onlinehändler besonders interessant ist, dass sich Anzeigen direkt aus Produktdaten-Feeds erstellen lassen.
Weitere Entwicklungen
Mitte September hat OpenAI „Sponsored Agents" vorgestellt. Dabei können Nutzer nach einem Klick auf die Anzeige ein Gespräch mit dem KI-Agenten eines Unternehmens beginnen, vorerst nur als Test in den USA. Außerdem ist Shopify erster E-Commerce-Partner: Über eine App lassen sich ChatGPT-Kampagnen direkt im Shop-System verwalten. OpenAI hat angekündigt, die App ab dem 23. September in allen Märkten mit ChatGPT Ads anzubieten.
Bei den anderen Anbietern hat sich wenig getan. Die Werbeformate im Google AI Mode laufen weiterhin nur als Test in den USA. Perplexity bietet weiterhin kein Werbeprodukt an, und Claude von Anthropic bleibt werbefrei.
Produktdaten werden zum Erfolgsfaktor
Wie stark KI-Gespräche Kaufentscheidungen beeinflussen
Einen ersten Hinweis darauf, wie groß der Einfluss von KI-Gesprächen auf Kaufentscheidungen grundsätzlich sein kann, liefert eine Studie der Princeton University vom April 2026.2 Über 2.000 Teilnehmer sollten ein E-Book auswählen, entweder über eine klassische Suchmaschine oder im Gespräch mit einem Chatbot. Das Ergebnis: Der Chatbot war fast dreimal so effektiv darin, die Wahl auf gesponserte Produkte zu lenken. Die meisten Teilnehmer bemerkten die Beeinflussung nicht einmal.
Bei ChatGPT erscheinen Anzeigen zwar als gekennzeichneter Block getrennt von der Antwort. Eine Erkenntnis lässt sich aber übertragen: Selbst bei klar gekennzeichneter Werbung wählten die Teilnehmer das gesponserte Produkt noch doppelt so häufig wie bei klassischer Werbung. Eine Kennzeichnung allein schreckt Nutzer also nicht so stark ab.
Der Kanal ist offen, die Spielregeln noch nicht
Mit dem Start von ChatGPT Ads ist Werbung in KI-Chats in Deutschland Realität geworden. Belastbare Erfahrungswerte gibt es allerdings noch kaum, viele Funktionen befinden sich noch im Test. Klar ist bereits: Wer seine Produktdaten vollständig und strukturiert pflegt, schafft die Grundlage dafür, dass ChatGPT seine Produkte versteht und passenden Gesprächen zuordnet. Das gilt für bezahlte Anzeigen genauso wie für organische Empfehlungen. Und wie die Princeton-Studie zeigt, haben gerade Empfehlungen im Gespräch großen Einfluss auf Kaufentscheidungen.
Quellen
- OpenAI-Hilfeartikel: Kampagnen aus Produkt-Feeds erstellen
- Studie der Princeton University: Commercial Persuasion in AI-Mediated Conversations