Agentic Commerce: Was passiert, wenn KI für Ihre Kunden einkauft?

Sie haben viel Zeit und Budget investiert, um Ihren Onlineshop zu optimieren. Die Nutzerführung wurde verbessert, der Checkout vereinfacht und die Markenbotschaften geschärft.

Doch was passiert, wenn Kaufentscheidungen künftig gar nicht mehr auf Ihrem Shop getroffen werden?
Genau hier beginnt Agentic Commerce.

In diesem Artikel erfahren Sie, was Agentic Commerce bedeutet und was Sie als Shopbetreiber jetzt dringend tun sollten.

Was ist Agentic Commerce?

Agentic Commerce bezeichnet eine Form des digitalen Handels, bei der KI-Agenten eigenständig Kaufentscheidungen treffen und ausführen. Statt sich selbst durch Shops zu klicken, delegieren immer mehr Nutzer ihre Kaufabsicht an KI-Assistenten. Diese recherchieren Produkte, vergleichen Angebote, treffen Entscheidungen und lösen Käufe aus. In vielen Fällen geschieht das, ohne dass ein klassischer Warenkorb oder ein Besuch im Onlineshop notwendig ist.

Kurz gesagt: Nicht der Mensch kauft im Onlineshop, sondern eine KI handelt im Auftrag des Menschen.

Agentic Commerce befindet sich aktuell in der Umsetzungsphase. In der Europäischen Union ist der EU AI Act der entscheidende Faktor und bietet den regulatorischen Rahmen. Besonders die Transparenzpflichten müssen beachtet werden: Ein Nutzer muss immer wissen, wenn er mit einem Agenten interagiert, und die volle Kontrolle über die finale Transaktion behalten.

Mehr zum EU AI Act

Was kann ein KI-Agent?

Ein zentrales Prinzip von Agentic Commerce ist das intentbasierte Handeln. KI-Agenten reagieren nicht auf einzelne Klicks oder Suchanfragen. Sie orientieren sich an Zielen, Kontext und Rahmenbedingungen.

KI-Agenten handeln weitgehend selbstständig und führen Aufgaben aktiv aus, statt nur zu beraten. Der Mensch gibt dabei lediglich Ziele, Regeln und Präferenzen vor.

So kann ein KI-Agent beispielsweise:

  • Nach Produkten suchen, Preise vergleichen und Angebote finden
  • Verschiedene Rahmenbedingungen, wie Preise/Verfügbarkeit/Lieferzeit, berücksichtigen
  • Zahlungs- und Versandart auswählen
  • Bestellungen oder auch regelmäßige Käufe ausführen

Der KI-Agent kann somit die komplette Customer Journey übernehmen. Besonders spannend wird dies z.B. für Alltagsprodukte und wiederkehrende Käufe.

So könnte ein Agentic Commerce-Prompt aussehen:

Kaufe Waschmittel für den Haushalt. Ich bevorzuge Großpackungen und nachhaltige Marken. Wechsle den Händler automatisch, wenn der Gesamtpreis inklusive Versand günstiger ist.

Was bedeutet Agentic Commerce für mich als Shopbetreiber?

Hier geht es um die entscheidende Frage: Was passiert, wenn Kaufentscheidungen nicht mehr in Ihrem Shop getroffen werden?

KI-Agenten bewerten Angebote ausschließlich auf Basis klarer, aktueller und konsistenter Informationen wie Preis, Verfügbarkeit, Lieferzeit und Produktmerkmale. Unvollständige oder uneinheitliche Daten führen hingegen dazu, dass Produkte schlechter eingeordnet oder gar nicht berücksichtigt werden.

Daher gilt: Zukünftig ist nicht das schönste Frontend ausschlaggebend, sondern wie gut Ihr Angebot strukturiert, vergleichbar und zuverlässig ist. Gute Produktdaten werden damit zum entscheidenden Faktor für Sichtbarkeit und Wettbewerb.

KI-Systeme setzen außerdem auf das bekannte Prinzip E-E-A-T (Experience, Expertise, Autorität und Vertrauen), um Angebote und Anbieter zu bewerten. Backlinks und Bewertungen sind somit nicht nur für die Sichtbarkeit in klassischen Suchmaschinen wichtig, sondern auch für das Thema Agentic Commerce.

Mehr dazu, wie Produkte in KI-Systemen gefunden werden

Bezahlen im Agentic Commerce: Wie Kaufabschlüsse über KI funktionieren

Im Agentic Commerce bezahlt nicht die KI selbst, sondern immer der Mensch oder das Unternehmen im Hintergrund. Nutzer autorisieren einmalig eine KI, Käufe innerhalb klar definierter Regeln auszulösen.

Die Zahlung erfolgt dabei über bekannte und etablierte Methoden wie:

  • Kredit- und Debitkarten
  • Kauf auf Rechnung, z.B. Klarna, Stripe oder Riverty
  • Wallets, z.B. PayPal, Apple Pay, Google Pay
  • Spezielle Agentic-Payment-Lösungen, z.B. Mastercard „Agent Pay“, Visa „Intelligent Commerce“ oder das Agent Payments Protocol (AP2) von Google

Zur Absicherung und Kontrolle kommen häufig zusätzliche Vorgaben zum Einsatz:

  • feste Budgets und Betragsgrenzen
  • Freigaben für größere Bestellungen
  • Benachrichtigungen nach abgeschlossenen Käufen

Für Händler bedeutet das, dass einfache und automatisierbare Zahlungsprozesse immer wichtiger werden. KI-Agenten bevorzugen standardisierte Checkouts, klare Zahlungsbedingungen und gängige Zahlungsarten. Komplexe oder manuelle Zahlungsschritte erschweren den Kaufabschluss.

Dazu passend: ACP vs. UCP - Protokolle für KI Shopping

Agentic Commerce verändert nicht nur den Kaufprozess, sondern auch die Rolle des Onlineshops. KI-Agenten werden zunehmend Kaufentscheidungen treffen. Kunden profitieren dadurch vor allem von Komfort, Effizienz und besseren Entscheidungen.

Im B2B ist die Entwicklung hin zum Agentic Commerce bereits deutlich sichtbar, im B2C wird sie folgen. Für Shopbetreiber heißt das: Wer datengetrieben, systemoffen und auf klare Kaufabsichten ausgerichtet ist, bleibt sichtbar und relevant. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Produkte, Prozesse und Plattformen auf eine agentenbasierte Zukunft vorzubereiten.

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